LNV-Vernetzungstreffen zu Schäferei und Naturschutz auf einer Weide in Magstadt

Wie kann Landwirtschaft zum Naturschutz beitragen? Welche Herausforderungen hat eine kleine Schäferei – und was können Naturschutz, Landwirtschaft und Gesellschaft voneinander lernen?

Um diese Fragen ging es beim LNV-Vernetzungstreffen am 24. Juli 2026 auf einer Wiese in Magstadt.

Ich durfte den Abend gestalten und aus der Praxis unserer kleinen Familienschäferei berichten. Was zunächst als Vortrag und kleiner Einblick in die Schäferei geplant war, wurde für mich zu etwas mehr: zu einem Abend des gegenseitigen Kennenlernens, zu interessanten Gesprächen und schließlich sogar zum Beginn eines neuen ehrenamtlichen Engagements.


Schäferei einmal aus der Praxis betrachtet

Rund zehn Menschen aus dem Landkreis Böblingen waren an diesem Abend zusammengekommen. Vertreten waren vor allem Menschen aus regionalen Naturschutzvereinen und dem Umfeld der umliegenden Gemeinden.

Ich hatte mich bewusst nicht an meiner vorbereiteten Begleitunterlage entlanggearbeitet, sondern einfach meine Geschichte erzählt.

Gerade diese persönlichen Erfahrungen waren mir wichtig. Denn Schafhaltung lässt sich nicht allein über Tierzahlen, Fleischmengen oder betriebswirtschaftliche Kennzahlen beschreiben. Eine kleine Schäferei ist ein ständiger Lernprozess – über Tiere, Flächen, Krankheiten, Vermarktung, Naturschutz, Bürokratie und nicht zuletzt über die eigenen Möglichkeiten.


Wenn Naturschutz auf den Schäferalltag trifft

Natürlich kamen auch die weniger einfachen Seiten der Schafhaltung zur Sprache.

Ich berichtete beispielsweise von den Herausforderungen der Weidehaltung in unmittelbarer Nähe zur stark befahrenen B464 und davon, warum der Festzaun für die Hütesicherheit notwendig ist. Auch der Polizeieinsatz im vergangenen Jahr, nachdem Schafe ausgebrochen waren, zeigte sehr anschaulich, dass Weidehaltung nicht nur aus idyllischen Bildern mit Tieren auf grünen Wiesen besteht.

Ebenso ging es um die Verluste von Lämmern auf den Wiesen im Frühjahr und die Frage, welche Rolle Rabenvögel dabei spielen können. Daraus entwickelte sich eine interessante Diskussion über die Unterscheidung verschiedener Rabenvögel.

Und plötzlich waren wir mitten in einem ganz anderen Thema: Ornithologie.

Das passte erstaunlich gut zu diesem Abend.

Denn gerade solche Gespräche zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven auf dieselbe Landschaft sein können.


Ein kleiner Nistkasten mit großer Wirkung

Besonders viel Interesse weckte ein eher unscheinbares Detail auf der Weide: ein Nistkasten für den Steinkauz.

Für die anwesenden Vogelfreunde war das natürlich ein spannender Anknüpfungspunkt.

Für mich wiederum war es ein schönes Beispiel dafür, dass eine bewirtschaftete Fläche nicht zwangsläufig im Gegensatz zum Naturschutz stehen muss.

Extensive Weidehaltung kann Lebensräume offenhalten und durch ihre Bewirtschaftungsform ein vielfältiges Mosaik aus unterschiedlichen Vegetationsstrukturen schaffen. Davon können Pflanzen, Insekten, Reptilien und Vögel profitieren.

Naturschutz beginnt deshalb nicht erst dort, wo ein Schutzgebiet ausgeschildert ist. Er beginnt auch mit der Frage, wie wir unsere Landschaft bewirtschaften.

Nistkasten des Steinkauzprojektes
Nistkasten des Steinkauzprojektes

Warum ich wieder mit Skudden weitermachen möchte

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends waren die Skudden.

Die kleine, ursprüngliche Schafrasse ist gefährdet und passt aus meiner Sicht hervorragend zu einer extensiven Form der Schafhaltung. Sie ist genügsam, robust und für die Landschaftspflege gut geeignet. Gleichzeitig liefert sie eine interessante und hochwertige Wolle.

Dass ich nach der schwierigen Entwicklung der vergangenen Jahre wieder mit Skudden weitermachen möchte, war deshalb auch ein wichtiger Teil meines Berichts.

Für mich verbindet sich darin vieles:

Tierhaltung, Landschaftspflege, Biodiversität und der Erhalt alter Nutztierrassen.

Denn Biodiversität bedeutet nicht nur, seltene Wildtiere und Pflanzen zu erhalten. Auch die Vielfalt unserer Nutztierrassen ist ein Teil unseres biologischen und kulturellen Erbes.


Landwirtschaft und Naturschutz: Gegensätze?

Eine meiner persönlichen Überraschungen an diesem Abend war allerdings gar kein fachliches Thema.

Ich war gespannt, welche Menschen ich bei einem solchen Naturschutztreffen kennenlernen würde.

Meine eigenen Vorstellungen waren vielleicht nicht ganz frei von Vorurteilen. Ich hatte befürchtet, auf sehr idealistische Positionen zu treffen, die unter Umständen mit den praktischen Realitäten einer kleinen Landwirtschaft nur schwer zusammenzubringen sind.

Dieser Eindruck hat sich sehr schnell aufgelöst.

Stattdessen habe ich einen ausgesprochen ruhigen, interessierten und unaufgeregten Kreis erlebt. Es wurden Fragen gestellt, unterschiedliche Sichtweisen ausgetauscht und auch kontroverse Themen sachlich diskutiert.

Und genau das ist für mich der eigentliche Wert solcher Treffen.

Man muss nicht in allen Punkten derselben Meinung sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Man muss sich zunächst einmal kennenlernen.


Auch Bürokratie gehört zur Naturschutzpraxis

Dabei kamen auch Themen zur Sprache, die auf den ersten Blick gar nicht unmittelbar mit Naturschutz zu tun haben.

Ein Beispiel war meine Erfahrung mit dem Versuch, die Schäferei als Lernort Bauernhof weiterzuentwickeln.

Die dortigen bürokratischen Anforderungen zeigen für mich sehr deutlich, wie problematisch ein Denken in engen Zuständigkeiten und Berufsgruppen sein kann. Für die Frage, ob Kinder und Jugendliche etwas über Landwirtschaft, Tiere, Natur und ökologische Zusammenhänge lernen können, sollte aus meiner Sicht nicht entscheidend sein, welchem formal definierten Berufsbild der Mensch dahinter zugeordnet wird.

Gerade an solchen Schnittstellen braucht es Austausch zwischen den verschiedenen Bereichen.

Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben regionaler Netzwerke.


Der LNV – Naturschutz gemeinsam organisieren

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (LNV) ist der Dachverband der baden-württembergischen Naturschutzverbände. Auf Ebene der Land- und Stadtkreise arbeiten LNV-Arbeitskreise, in denen sich Menschen verbandsübergreifend für Natur- und Umweltschutz engagieren.

Zu den Aufgaben der LNV-Arbeitskreise gehört unter anderem, sich mit lokalen Planungs- und Beteiligungsverfahren auseinanderzusetzen, gemeinsame Stellungnahmen abzustimmen und den Austausch zwischen Naturschutzverbänden, Behörden und weiteren Akteuren zu fördern. Der LNV führt die Arbeitskreise landesweit zusammen und unterstützt ihre Arbeit.

Mehr über den LNV und seine Arbeitskreise

Damit sind die Arbeitskreise eine wichtige Schnittstelle zwischen dem ehrenamtlichen Engagement vor Ort und den naturschutzfachlichen sowie politischen Aktivitäten des Landesverbandes.


Aus einem Abend wird ein neues Ehrenamt

Für mich persönlich hatte der Abend noch eine weitere Konsequenz.

Ich werde künftig den LNV-Arbeitskreis im Landkreis Böblingen ehrenamtlich als Mail-Koordinator unterstützen.

Meine Aufgabe besteht vor allem darin, eingehende Informationen zu Beteiligungsverfahren und anderen relevanten Naturschutzthemen weiterzugeben und den Informationsfluss innerhalb des Arbeitskreises zu koordinieren.

Der zeitliche Aufwand ist mit ungefähr zwei Stunden im Monat überschaubar.

Für mich ist diese Aufgabe trotzdem wertvoll.

Ich befinde mich gerade in einer Übergangsphase und habe die Möglichkeit, etwas mehr Zeit für Dinge einzusetzen, die sonst im Alltag oft zu kurz kommen. Ich möchte diese Zeit nutzen, um weitere Perspektiven kennenzulernen, Neues zu lernen und mich dort einzubringen, wo ich mit meinen Fähigkeiten etwas beitragen kann.

Der Abend in Magstadt hat mir gezeigt, dass dafür nicht immer große Projekte notwendig sind.

Manchmal beginnt Engagement ganz einfach mit einem Gespräch.


Lust auf Austausch?

Wer sich im Landkreis Böblingen für Natur- und Umweltschutz interessiert, Themen teilen möchte oder einfach einmal mit den Menschen im LNV-Arbeitskreis ins Gespräch kommen möchte, kann sich gerne bei mir melden:

📧 lnv-ak-boeblingen@lnv-bw.de

Ich freue mich über Fragen, Hinweise und natürlich auch über Menschen, die sich selbst einbringen möchten.

Denn am Ende gilt auch für den Naturschutz:

Gemeinsam geht mehr als allein.


Ein Abend, der nachwirkt

Besonders schön fand ich übrigens eine ganz unspektakuläre Szene am Ende des Abends.

Beim Abbau wurde einfach gemeinsam angepackt.

Kein großes Programm mehr, keine Diskussion, keine Präsentation – sondern Menschen, die zusammenräumen und sich gegenseitig helfen.

Vielleicht beschreibt genau das diesen Abend am besten.

Ruhig. Unaufgeregt. Interessiert. Und bereit, gemeinsam etwas zu bewegen.

Ich freue mich deshalb auf die weitere Zusammenarbeit im LNV-Arbeitskreis Böblingen und darauf, dabei selbst noch viel zu lernen.

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