Pionierarbeit am Haken: Wie aus Spott Ausdauer wurde – und was daraus folgte

Im Sommer 2018 schrieb die FAZ über ein ungewöhnliches Vorhaben: Eine elektrische Mercedes B-Klasse sollte eine zugelassene Anhängerkupplung bekommen. Serienmäßig gab es die nicht – „zu komplex, zu heikel“.
Ich hatte kurz zuvor für rund 50.000 € genau so eine B-Klasse gekauft. Und doch musste ich – um meine Schafe samt Anhänger bewegen zu können – zusätzlich meinen alten roten Audi nutzen. Genau der ist auf dem Foto zu sehen. Das war damals der Kern der Geschichte: Elektro neu gekauft – und trotzdem mit dem Oldie an den Haken. Für viele ein gefundenes Fressen: „E-Auto und Anhänger? Niemals!“
Crowdfunding, Dickschädel – und eine Einzelabnahme
Ich suchte Mitstreiter, sprach mit Spezialbetrieben, plante eine KBA-Zertifizierung. Das Crowdfunding zündete nicht – aber die Ausdauer zahlte sich anders aus: Mit Hilfe einiger Schlüsselpersonen gelang eine Einzelabnahme.



Damit war „ROSIE“, meine rote B-Klasse, die erste ihrer Baureihe mit legaler Anhängerkupplung. Die Jungfernfahrt? Nicht Pforzheim–Mannheim wie bei Bertha Benz, sondern Sindelfingen–Winnenden-Berglen – mit Bertha und Lisa auf dem Anhänger. Funktionierte. Punkt.

Von „unmöglich“ zu „ab Werk“
Damals galten E-Autos mit Anhänger als materialmordend, reichweitenfressend und generell „keine gute Idee“. Fünf Jahre später lautet die Konzernparole: „Electric Only“. Und bereits der zweite vollelektrische Mercedes, der EQC, war ab Werk mit Anhängerkupplung bestellbar. Ob meine Geschichte der Auslöser war? Das zu behaupten, wäre vermessen. Aber die öffentliche Debatte – inklusive der FAZ-Aufmerksamkeit – hat sichtbar mitgeschoben. Ausgerechnet das, was angeblich nicht geht, wurde still zur Serienoption.
Warum mir das wichtig ist
Weil Innovation selten auf der grünen Wiese entsteht. Sie passiert dort, wo Menschen echte Bedürfnisse haben (in meinem Fall: Schafe sicher transportieren), dranbleiben und bereit sind, Widerspruch auszuhalten. Heute ist Elektromobilität Alltag. Damals war sie Pionierarbeit – mit Humor, Gegenwind und einem alten Audi, der half, die Brücke zu schlagen. Ein echtes Stück agiles Change-Management.


Ha ha, wie cool lieber Bernd. Ja, eine gewisse Sturheit ist auf jeden Fall gut, wenn man etwas erreichen will – aber man muss auch bereit sein, das Glück anzunehmen, wenn es sich dann vielleicht auf eine überraschende Weise einstellt.