Wahlzettel mit der Frage „Quo vadis?“ und dem Schriftzug „Zutrauen und Vertrauen“, daneben eine Szene eines Hirten, der ein Schaf aus der Hand füttert – Sinnbild für Führung und Vertrauen.

Zwischen Bestellung, Bürokratie und Landtagswahl

Diese Woche war eine gute Woche.

Wir hatten erfreulich viele Bestellungen – dafür sind wir sehr dankbar. Jede einzelne Bestellung zeigt uns, dass unsere Arbeit gesehen wird.

Besonders gefreut hat uns eine Bestellung aus Österreich. Gleichzeitig hat sie uns auch gleich eine kleine Lektion im internationalen Versand beschert.

Das Paket kam zurück.

Nicht wegen Gewicht oder Inhalt – sondern weil eine Kantenlänge zu groß war. Das Paket hat Österreich also gar nicht erst erreicht.

Nun bleibt abzuwarten, ob das Porto erstattet wird.
Das Paket wurde in der Postfiliale aufgegeben und hat dort zunächst alle üblichen Prüfungen problemlos passiert.

15 € Versandkosten sind kein kleiner Betrag.
Wenn jemand bereit ist, das zu investieren, steckt darin auch Vertrauen.

Dieses Vertrauen möchten wir natürlich rechtfertigen.


Landwirtschaft im Aufbau

Unser Betrieb befindet sich weiterhin im Aufbau.

Aktuell arbeiten wir mit einem Entleihmodell bei den Tieren, während wir gleichzeitig auf eine wichtige Entscheidung des Finanzamts warten: die Anerkennung unserer Gewinnerzielungsabsicht.

Diese Entscheidung bestimmt maßgeblich, ob wir unseren Betrieb langfristig stabil weiterentwickeln können.

Manchmal fühlt sich diese Phase ein wenig an wie eine Form des Fastens.

Man reduziert sich auf das Wesentliche, ordnet Dinge neu und wartet darauf, dass sich wieder Perspektiven öffnen.


Schäferei gehört zu Baden-Württemberg

Schafe gehören zur Geschichte Baden-Württembergs.

Genauso wie die Textilindustrie, die über viele Jahrzehnte eng mit der Schafhaltung verbunden war.

Auch unsere persönliche Geschichte reicht weit zurück.

Die Wurzeln unserer Schafhaltung reichen über 40 Jahre zurück in den Alb-Donau-Kreis – eine Region, in der Schäferei bis heute Teil der Kulturlandschaft ist.

Es ist zugleich eine sehr ländlich geprägte, aber auch innovative Region – aus der auch einer der Ministerpräsidentenkandidaten stammt.

Viele politische Diskussionen über Landwirtschaft wirken heute sehr abstrakt.

Für uns sind sie sehr konkret.

Sie entscheiden darüber, ob kleine Betriebe überhaupt eine Zukunft haben.


Gespräche mit der Politik

In den vergangenen Jahren hatten wir immer wieder Besuch aus der Politik.

Besonders hilfreich waren Gespräche mit der SPD und dem Landtagsabgeordneten
Florian Wahl,
der sich intensiv mit unseren Fragestellungen beschäftigt hat – und auch im Rahmen des gemeinnützigen Projekts „Bündnis für Wohnraum für Familien in Sindelfingen“ unterstützend aktiv war.

… Florian Wahl…

Auch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Parteien gab es Austausch.

Mit
Thekla Walker
von den Grünen gab es in der vergangenen Legislaturperiode mehrfach Gespräche. Hier waren durchaus Bemühungen vorhanden, auch wenn am Ende nicht alle Themen erfolgreich umgesetzt werden konnten – was in einer Demokratie durchaus vorkommen kann.

Im Rahmen der Kommunalwahl gab es außerdem ein persönliches Treffen in Darmsheim.

Bei einem weiteren landwirtschaftlichen Termin mit Vertreterinnen der Grünen wurden konkrete Anliegen gesammelt und später schriftlich nachgereicht – verbunden mit der Bitte um eine spätere Rückmeldung.

Diese Rückmeldung ist leider nie erfolgt.

Das empfinde ich bis heute als enttäuschend.

Nicht weil jede Idee umgesetzt werden muss.
Sondern weil eine Antwort ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Engagement vor Ort wäre.


Zutrauen und Vertrauen

Vielleicht bin ich mit diesem Urteil auch zu hart.

Denn was dabei tatsächlich verloren gegangen ist, ist weniger eine politische Position – sondern etwas anderes: Vertrauen.

Dabei lohnt sich ein kurzer Blick auf zwei Begriffe, die in der Politik – gerade in Wahlzeiten – eine wichtige Rolle spielen:

Zutrauen und Vertrauen.

Zutrauen richtet sich nach vorne.
Es bedeutet, jemandem etwas zuzutrauen, auch wenn man noch keine eigenen Erfahrungen gemacht hat.

Vertrauen hingegen entsteht aus der Vergangenheit.
Es wächst aus erlebter Verlässlichkeit, aus Gesprächen und aus Rückmeldungen – selbst dann, wenn man inhaltlich nicht immer einer Meinung ist.

Gerade bei Wahlen stehen diese beiden Dinge nebeneinander.

Man überlegt sich:

  • Wem traue ich etwas zu?
  • Bei wem habe ich bereits Vertrauen aufgebaut?

In Baden-Württemberg erleben wir aktuell ein sehr enges politisches Rennen zwischen zwei großen Parteien. Auch dort geht es letztlich genau um diese beiden Fragen.

Für mich persönlich sind diese Überlegungen jedenfalls Teil meiner Entscheidung.

Als Schäfer und als jemand, der in Workshops mit Menschen arbeitet, begegnet mir dieses Thema übrigens immer wieder.

Wer eine Herde führt, weiß:

Führung entsteht nicht durch Lautstärke – sondern durch Vertrauen.
Und Vertrauen entsteht durch Erfahrung.


Bürokratieabbau – ein häufiges Versprechen

Ein Thema taucht in nahezu allen Wahlprogrammen immer wieder auf:

Bürokratieabbau.

In der Praxis erleben viele landwirtschaftliche Betriebe jedoch eher das Gegenteil.

Gerade bei Förderprogrammen zeigt sich häufig ein strukturelles Problem und auch ein Mangel an Vertrauen, welches durch Regelungen ausgeglichen werden sollen, aber am Ende nicht greifen und nur viel Aufwände auslöst.


Beispiel Lernort Bauernhof

Das Programm „Lernort Bauernhof“ ist grundsätzlich eine gute Idee.

Doch die Zugangsvoraussetzungen orientieren sich teilweise an formalen Berufsausbildungen (eingeschränkte Gruppe von exakt 14 Berufen) , die nicht zwingend etwas über die tatsächliche Qualität eines Lernortes aussagen.

Am Ende entsteht ein System, das weniger nach Inhalt bewertet – sondern nach formalen Kriterien.


Beispiel Wolfpräventionsgebiet

Auch hier entstehen Ungleichheiten.

Je nachdem, wo ein Betrieb liegt, gelten unterschiedliche Förderbedingungen.

Das führt zu einer Situation, in der räumliche Grenzen über Fördermöglichkeiten entscheiden, obwohl die Herausforderungen in der Praxis ähnlich sind.

Wenn aus vielen Anforderungen am Ende ein fauler Kompromiss wird, entsteht ein weiteres Problem:

Der Wettbewerb wird verzerrt – ganz deutlich zu sehen zwischen Darmsheim und Aidlingen – hier verläuft die Fördergrenze.

Und das Gleichheitsprinzip gerät ins Wanken.


Sind kleine Themen wirklich klein?

Der
Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg
versucht regelmäßig, Themen der Schäferei in Gespräche mit Parteien einzubringen.

Doch Schäferinnen und Schäfer sind traditionell nicht die lauteste Gruppe.

Viele Betriebe arbeiten eher still im Hintergrund.

Vielleicht liegt es auch daran, dass wir – anders als viele andere Branchen – noch nicht vollständig in der digitalen Öffentlichkeit angekommen sind.

Dabei leisten Weidetierhalter weit mehr als nur Lebensmittelproduktion.

Sie leisten:

  • Landschaftspflege
  • Biodiversitätsschutz
  • Erhalt unserer Kulturlandschaften

Landtagswahl als Moment der Entscheidung

Am Sonntag wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt.

Ich werde meine Entscheidung nicht aus Gewohnheit treffen – sondern auf Grundlage meiner Erfahrungen.

Demokratie lebt davon, dass Menschen:

  • Fragen stellen
  • sich einbringen
  • und am Ende ihre Stimme abgeben

Ein Wunsch an die Politik

Nicht jeder Betrieb ist groß.

Nicht jedes Anliegen ist laut.

Aber auch kleine Betriebe tragen zur Vielfalt unseres Landes bei.

Und manchmal reicht schon etwas sehr Einfaches:

eine Antwort.





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