Zeitungsbericht über die Familienschäferei Bernd Spindler

Warum ich meine Schafe abgeben musste – und warum ich trotzdem weitermache

Fast zehn Jahre lang waren Schafe ein fester Bestandteil meines Lebens. Was 2017 als Ausgleich zum Bürojob begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem ernsthaften landwirtschaftlichen Projekt.

Mein Ansatz war dabei nie ein klassischer Fleischbetrieb. Stattdessen stand für mich immer die Verbindung von drei Bereichen im Mittelpunkt:

  • Landschaftspflege
  • Natur- und Umweltbildung
  • regionale Produkte wie Rohwolle

Gerade die Arbeit mit Kindern, Schulklassen und interessierten Besuchergruppen hat mir gezeigt, wie groß das Bedürfnis ist, Natur wieder direkt zu erleben.


📉 Die wirtschaftliche Realität

Der Aufbau der Schäferei war jedoch von Anfang an mit hohen Hürden verbunden.

Die notwendige Infrastruktur – Zäune, mobiler Stall, Transportmöglichkeiten – brachte jährliche Kosten von rund 12.000 Euro mit sich. Dem gegenüber standen Einnahmen von etwa 4.000 Euro.

Diese wirtschaftliche Schieflage führte dazu, dass das Finanzamt die langfristige Tragfähigkeit des Betriebs infrage stellte. Im Kern geht es dabei um die sogenannte „Gewinnerzielungsabsicht“, die Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung eines landwirtschaftlichen Betriebs ist.


⚖️ Die Konsequenz

Um finanzielle Risiken und mögliche Rückforderungen zu vermeiden, blieb mir letztlich keine andere Wahl:

👉 Zum Jahreswechsel habe ich meine letzten Tiere abgegeben.

Eine Entscheidung, die alles andere als leicht gefallen ist.


🧱 Weitere Herausforderungen

Neben den wirtschaftlichen Themen kamen weitere Belastungen hinzu:

  • gesundheitliche Rückschläge nach einem Unfall
  • hoher organisatorischer Aufwand (z.B. Lernort Bauernhof)
  • steigende Anforderungen im Hauptberuf
  • sowie externe Faktoren, die die Schafhaltung insgesamt erschweren

Diese Kombination hat mich dazu bewegt, bewusst einen Schritt zurückzugehen, um die Weichen für eine langfristig tragfähige Weiterentwicklung zu stellen.


🌱 Warum das kein Ende ist

Trotz dieser Entwicklung ist für mich klar:

👉 Die Idee hinter der Schäferei lebt weiter.

Ich arbeite aktuell an einem neuen Konzept, das:

  • kleiner und robuster aufgestellt ist
  • stärker auf Bildung und Begegnung setzt
  • und langfristig wirtschaftlich tragfähig sein soll

Ein möglicher Neustart ist bereits angedacht – zunächst mit einer kleineren Herde, beispielsweise mit der robusten und seltenen Schafrasse Skudde.


🐑 Warum Schafe wichtig sind

Schafe leisten einen wichtigen Beitrag für:

Gleichzeitig ermöglichen sie vielen Menschen einen direkten Zugang zur Natur – etwas, das in unserer heutigen Zeit immer seltener wird.

Skudden unter einem Mobilstall in Magstadt
Skudden – eine bedrohte Tierart

⏳ Wie es weitergeht

Aktuell läuft ein Widerspruchsverfahren beim Finanzamt. Die Entscheidung darüber wird maßgeblich bestimmen, wie und wann ein Neustart möglich ist. Darüber hinaus wurde ein Schreiben an sämtliche Fraktionen des baden-württembergischen Landtags zum Thema „Lernort Bauernhof“ gerichtet.

Bis dahin bleiben die Weiden leer –
aber die Vision ist geblieben.

👉 Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden hier wieder Schafe stehen.

Verlassener Schafstall in Magstadt nach Betriebsaufgabe
Leere Schafweide in Magstadt– Neuanfang einer Schäferei?

💬 Ein persönliches Wort

Die letzten Jahre haben mir gezeigt, wie viel möglich ist – aber auch, wo die Grenzen liegen.

Was bleibt, ist die Überzeugung:
Dass Landwirtschaft, Naturschutz und Bildung zusammengehören.
Und dass es sich lohnt, dafür neue Wege zu gehen.


Link zum Beitrag Kreiszeitung Böblinger Bote vom 10. April 2026

Zeitungsbericht über die Familienschäferei Bernd Spindler

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